Vierbeiner und ihre Frauchen und Herrchen trainieren mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern Rettungswinden-Einsätze und das Ein- und Aussteigen bei laufender Maschine
SCHNEIZLREUTH/JETTENBERGER FORST (ml) – Die Such- und Lawinenhundestaffel der Bergwacht-Region-Chiemgau hat im Februar und März eine Woche lang unter realistischen Bedingungen ihren mittlerweile 30. Winterkurs auf dem Hochplateau der Reiter Alpe absolviert; am intensiven Einsatztraining mit zeitweise bis zu 20 Vierbeinern nahmen auch Hundeteams der Bergwacht-Regionen Allgäu und Hochland West und der Österreichischen Bergrettung (ÖBRD) teil. Gleich am ersten Tag war die Polizeihubschrauberstaffel Bayern mit einer ihrer neuen H145 zu Gast, um Rettungswinden-Einsätze und das Ein- und Aussteigen der Vierbeiner bei laufendem Rotor zu üben, da der Heli im Ernstfall fast immer die schnellste Möglichkeit ist, um ein Suchhundeteam innerhalb weniger Minuten auf der Lawine abzusetzen und damit Leben zu retten.
Durch den zusätzlichen Februar-Schnee, den bereits zuvor instabilen Schneedecken-Aufbau und die milde Witterung war die Lawinenlage in den Berchtesgadener Alpen während des Kurses angespannt; am Samstagmittag mussten Ausbilder Much Partholl und sein Xaverl und Hundeführer Thomas Pöpperl und sein Lasko per Heli zum Windschartenkopf ausrücken, wo drei Schneeschuhgeher von einer Lawine mitgerissen und teilverschüttet wurden (wir berichteten). Bei einem Lawinenabgang mit Verschütteten zählt im Ernstfall jede Minute, und die feine Hunde-Spürnase ist trotz aller modernen Technik nach der Kameraden-Rettung nach wie vor die effektivste und schnellste Möglichkeit, unter den Schneemassen begrabene Menschen rasch und vielleicht noch lebend aufzuspüren. Die Heli-Crew holt dann ein Suchhundeteam beim Anflug ins Einsatz-Gebiet meist zu Hause oder am Arbeitsplatz des ehrenamtlichen Hundeführers ab und setzt es dann im Schwebeflug oder per Winde am Lawinenkegel ab. Wenn das Wetter nicht mitspielt und Wolken und Wind einen Flug unmöglich machen, werden die Suchhundes-Teams so weit wie möglich per Seilbahn, mit Autos oder besonders geländegängigen Überschnee-Fahrzeugen auf den Berg gebracht, wobei die Retter dann weiter zu Fuß mit Skiern aufsteigen und im Anschluss auch durchs Gelände abfahren müssen.
Das vom Heli auf dem Lawinenkegel abgesetzte Suchhunde-Team ist in der ersten durchaus auch für die Retter riskanten Einsatzphase zunächst auf sich allein gestellt, und der Hundeführer entscheidet über die weitere Taktik: Während beim Hund das übers Spielverhalten antrainierte Such-Programm weitgehend automatisch an- und abläuft, ist der Bergwacht-Hundeführer Abschnittsleiter, Sondierer, Schaufler und Sanitäter in einer Person und muss neben der Lage-Erkundung zusätzlich noch seinen Hund mit Kommandos im Gelände über das potenzielle Suchgebiet führen. „Wegen der in kurzer Zeit nur sehr schwer zu erfassenden und einschätzbaren Risiken Grund genug, dass alle planbaren Abläufe und jeder Handgriff in Fleisch und Blut übergehen und bei einem scharfen Einsatz sitzen müssen“, erklärt Staffelleiter Achim Tegethoff.
Nachdem die Besatzung von „Edelweiß 6“ an der Wartsteinhütte gelandet ist und die Bergretter auf den Hubschrauber eingewiesen hat, erklären Staffelleiter Achim Tegethoff und Ausbilder Partholl den Neulingen und den alten Hasen, auf was sie beim Ein- und Aussteigen besonders achten und wie sie sich selbst und den Vierbeiner am Windenhaken und im Heli sichern müssen. „Auf keinen Fall darf das Tier in Panik geraten und nach vorne ins Cockpit zum Piloten springen!“, betont Partholl. Obwohl die Führer ihre Tiere eigentlich alle gut unter Kontrolle haben und die Vierbeiner besonders stressresistent sind, tragen alle Hunde während des Flugs ohne Ausnahme einen Maulkorb, damit im Zweifelsfall niemand gebissen wird. „Der Flug ist und bleibt trotz aller Gewöhnung bei Übungen wie heute eine Ausnahme-Situation, in der niemand zu hundert Prozent das Verhalten des Tiers vorhersehen kann; wir gehen da kein unnötiges Risiko ein!“, sagt Tegethoff.
Die komplette Kommunikation zwischen Hundeführer und Heli-Besatzung erfolgt über auch aus größerer Entfernung eindeutig erkennbare Handzeichen. Unter dem Abwind des Hubschraubers wird der Schnee aufgewirbelt und die Sicht ist eingeschränkt; der im Fluggeschirr gesicherte Hund steht unter Adrenalin, springt unter Umständen herum und muss beruhigt werden. Trotzdem muss der Hundeführer genau darauf achten, wie er sich, den Vierbeiner, seine Ski und weitere Ausrüstung in den Windenhaken einhängt. Alles ist in Bewegung, und ganz schnell wickelt sich versehentlich eine Bandschlinge um den Hund, die bei Belastung auf den Weg nach oben in die Kabine womöglich die Kehle abschnüren oder den Schwanz brechen kann. Auf dem Weg in den Heli wird es eng: Der Winden-Operator steht bei offener Seitentüre auf der Kufe und braucht Platz, die Ski und der Hund müssen an ihm vorbei ins Innere gehoben und so gesichert werden, dass Herrchen, Rucksack und womöglich weitere Ausrüstung auch noch Platz haben.
Während der Gewöhnungsflüge für die A-Hunde bereiten sich die voll ausgebildeten C-Hunde-Teams auf ihren Einsatz am Lawinenfeld nördlich oberhalb der Wartsteinhütte vor. Der Heli nimmt sie bei laufendem Rotor auf und setzt sie dann mit der Winde weiter oben wieder ab. Junghunde wie Michi Zelzers Bali sollen sich erst einmal langsam an die besonderen Bedingungen gewöhnen, wenn sie den Boden unter den Füßen verlieren und Lautstärke und Abwind der Rotorblätter aushalten müssen. Erfahrenere Einsatzhunde wie Dani Neubauers Shana trainieren bereits hochgetaktet ohne Unterbrechung ein komplettes Einsatzszenario: Bei laufendem Heli mit dem Frauchen und umfangreicher Ausrüstung einsteigen, zum Lawinenfeld fliegen, Absetzen mit der Winde und zwei im Schnee eingegrabene Patientendarsteller suchen, die die Schäferhündin innerhalb weniger Minuten zielsicher anzeigt; dann geht’s mit der Winde zurück in den Heli und zum Landeplatz. Nach dem Mittagessen am Lenzenkaser stand am Nachmittag das gleiche Programm noch einmal auf dem Plan, sodass alle Teams intensiv trainieren konnten. „Wir profitieren sehr vom Erfahrungsaustausch mit den Nachbar-Regionen und den Österreichern“, freut sich Partholl. Neben der praktischen Ausbildung gab es Fach-Vorträge durch Experten aus der Notfallmedizin, Tierheilkunde und Bergrettung und. Die Bergwacht wird bei ihrem Lehrgang durch die Bundeswehr und die Wehrtechnische Dienststelle Oberjettenberg (WTD52) unterstützt und kann Seilbahn, Fahrzeuge, Kantine und zur Übernachtung den Lenzenkaser 3 und die Wartsteinhütte für die Hunde nutzen.
Am Lehrgang nahmen neben Staffelleiter Achim Tegethoff (Marquartstein), seinen beiden Stellvertretern Jürgen Triebler mit Asko (Marquartstein) und Ernst Bresina mit Susi (Bergen), Ausbilder Much Partholl mit Xaverl (Ramsau) und Helfer Helmut Lutz (Bad Reichenhall) die Suchhundeteams Thomas Pöpperl mit Lasko (Berchtesgaden), Achim Perl mit Sanchez (Traunstein), Dani Neubauer mit Shana (Bad Reichenhall), Schorschi Mayer mit Luna (Inzell), Hannes Hörterer mit Jaro (Schleching), Michi Zelzer mit Bali (Bad Reichenhall) und Michi Sossau mit Finja (Ruhpolding) teil.




















































