SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE – Das sehr schöne Bergwetter hat der Bergwacht Berchtesgaden am Sonntag (8. März) drei Einsätze in Folge beschert: Los gings kurz nach 12 Uhr am Jenner-Mitterkaserjoch, wo eine 60-jährige Skitourengeherin aus dem Landkreis Traunstein gestürzt war und sich an der Schulter verletzt hatte. Der ehrenamtliche Vorsorgedienst am Jenner übernahm den Einsatz: Ein Bergretter fuhr mit Skiern zur Einsatzstelle und übernahm die Erstversorgung, zwei weitere Bergretter rückten von der Mittelstation aus mit dem Motorschlitten aus, übernahmen die Patientin und fuhren sie zur Mittelstation; von dort aus gings mit der Seilbahn ins Tal und dann mit dem Krankenwagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes weiter zur Kreisklinik Bad Reichenhall.
Gegen 15.50 Uhr brauchte ein 53-jähriger Skitourengeher aus München notärztliche Hilfe, der bei der Abfahrt vom Hohen Göll im oberen Drittel des Alpeltals gestürzt war und sich am Knie verletzt hatte. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“ setzte ihren Notarzt und einen Berchtesgadener Bergretter an der Einsatzstelle ab, die den Mann notfallmedizinisch versorgten und in den Luftrettungssack umlagerten, so dass ihn der Heli mit der Winde aufnehmen und zum Schneewinkl-Landeplatz ausfliegen konnte. Dort übernahm ihn eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes und brachte ihn in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Vier Bergretter waren im Einsatz.
Gegen 18.40 Uhr ging ein Notruf einer besorgten einheimischen Mutter vom Kiliansberg (Vorgipfel Untersberg) ein, wo ihr unverletzter 16-jähriger Sohn blockiert im steilen Bergwald zwischen Hotel Seimler und der Laroswacht nicht mehr zu ihr auf den rund 100 Meter tiefer gelegenen Forstweg absteigen konnte. Fünf Bergretter rückten aus, stiegen in Richtung der Lichtquelle auf, sicherten den Jugendlichen und brachten ihn seilgesichert talwärts.
324 Einsätze im vergangenen Jahr
Am Freitagabend (6. März) blickten die aktuell 50 aktiven Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden bei ihrer Jahreshauptversammlung im Bergwachthaus auf ein erneut arbeitsintensives Jahr zurück: Insgesamt wurden die Ehrenamtlichen 2025 zu 324 Einsätzen alarmiert und investierten allein 1.900 unentgeltliche Stunden nur reine Einsatzzeit – hinzu kommen unzählige Stunden für Vor- und Nachbereitung, Übungen, Ausbildung und Arbeiten im Hintergrund. Bei rund zwei Fünfteln (127) war ein Heli dabei, drunter in fast Dreivierteln der Fälle der Traunsteiner Rettungshubschrauber „Christoph 14“.
Die Bereitschaftsleitung unter Franz Gummerer und Ruwen Lauck zeichnete Martin Volmer für 40 Jahre aktiven Dienst aus und würdigte damit sein jahrzehntelanges Engagement für die Bergrettung in den Berchtesgadener Alpen. Gummerer dankte den vielen Gönnern und Förderern, die mit Spenden und regelmäßiger finanzieller Unterstützung maßgeblich dazu beitragen, dass die Bergwacht Berchtesgaden gut ausgestattet ist und ihren ehrenamtlichen Auftrag trotz des hohen Einsatzaufkommens das ganze Jahr über erfüllen kann. Vor allem während der Hauptsaison in den Sommermonaten sind die Freiwilligen an Schönwettertagen immer wieder pausenlos gefordert: Mehrere zeitgleiche oder kurz aufeinanderfolgende Einsätze stellen dabei eine große Herausforderung für die ehrenamtlichen Retter dar. Neben den eigentlichen Rettungseinsätzen investieren die Mitglieder unzählige weitere unentgeltliche Stunden in die Einsatzvor- und -nachbereitung. Dazu gehören unter anderem die Pflege und der Unterhalt von Ausrüstung, Geräten, Fahrzeugen, Landeplatz und dem Bergwachthaus. Einen großen Anteil nimmt außerdem die Aus- und Fortbildung ein, um im Ernstfall schnell, sicher und kompetent handeln zu können.
Lawineneinsatz am Windschartenkopf
Wie wichtig regelmäßige Übungen auch für eher seltenere Einsatzlagen sind, zeigte zuletzt ein mit viel Glück recht glimpflicher Lawineneinsatz am Samstag vor einer Woche (28. Februar) am Windschartenkopf im Hagengebirge: Kurz nach 11.30 Uhr war ein Notruf für die Bergwacht Berchtesgaden eingegangen, da eine Lawine an der Nordwestseite des Windschartenkopfs abgegangen und zunächst unklar war, wie viele Menschen wirklich betroffen sind. Die Leitstelle alarmierte deshalb auch die Such- und Lawinenhundestaffel der Bergwacht-Region Chiemgau und schickte neben „Christoph 14“auch als zusätzlichen Transporthubschrauber der Polizei „Edelweiß 13“ los. „Christoph 14“ flog zwei Berchtesgadener Bergretter und einen Berchtesgadener Lawinenhund zur Lageerkundung auf den Berg, wo sich dann herausstellte, dass insgesamt fünf Schneeschuhgeher aus der Region München betroffen waren. Drei von ihnen hatten die Lawine selbst ausgelöst und waren mitgerissen worden, konnten sich aber alle selbstständig wieder aus den Schneemassen befreien. Nur ein 35-Jähriger hatte sich leicht verletzt; „Christoph 14“ flog ihn nach Erstversorgung durch den Heli-Notarzt und einen Bergretter zur Kreisklinik Bad Reichenhall. Die Retter brachten anschließend auch die vier Unverletzten per Heli ins Tal.
Der Lawinenabgang war komplex, da es zwei Staubereiche gab. „Edelweiß 13“ holte deshalb zur Unterstützung ein zweites Suchhundeteam der Bergwacht Ramsau vom Hochplateau der Reiter Alpe ab, wo gerade der diesjährige Lawinenhundekurs stattfand. Die Einsatzkräfte suchten gemeinsam das gesamte Lawinenfeld vorsorglich mit Suchhunden, Lawinen-Verschütteten-Suchgeräten (LVS) und Recco-Sonde ab, um weitere mögliche Verschüttete definitiv auszuschließen zu können. Beteiligt waren fünf Bergretter der Bergwacht Berchtesgaden, zwei Lawinenhundeführer, der Rettungshubschrauber „Christoph 14“, der Polizeihubschrauber „Edelweiß 13“ sowie zwei Polizeibergführer der Alpinen Einsatzgruppe (AEG).




