BERCHTESGADEN/SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE – Die ehrenamtlichen Ausbilder der 15 Bergwacht-Bereitschaften und der Bergwacht-Region Chiemgau haben heuer in unzähligen Stunden insgesamt 49 Anwärter für den Eignungstest am 1. Februar am Jenner (35) und die Winterprüfung am 1. März am Roßfeld (14) geschult und geprüft. „Wir freuen uns heuer besonders über überdurchschnittlich viele Interessenten, die wahrscheinlich aufgrund der Medienpräsenz durch die Fernsehserie „In höchster Not“ zusätzlich motiviert wurden“, meint Ausbildungsleiter Mathias Scheurl, der in den Vorjahren maximal 30 Anwärter beim Eignungstest verzeichnen konnte, also im Schnitt zwei pro Bereitschaft.
Beim Eignungstest Winter am Jenner mussten die 35 Anwärter ihre bergsteigerischen und konditionellen Fähigkeiten unter Beweis stellen: Begleitet von 18 Prüfern absolvierten sie mit ihren Tourenskiern einen Konditions- und Techniktest im Aufstieg, demonstrierten, wie souverän sie im freien Gelände mit Tiefschnee samt schwerem Rucksack abfahren können, wie sie je nach Gelände und Untergrund Steigeisen einsetzen, das Lawinenrisiko im Gelände einschätzen und im Notfall die Kameradenrettung beherrschen; wer mit dem Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS) innerhalb von fünf Minuten erfolgreich war, hatte bestanden. „Für die weitere bergrettungstechnische Ausbildung ist es essenziell, dass die Anwärter das notwendige bergsteigerische Niveau besitzen; die mittlerweile anspruchsvollste Station ist für viele die Skitechnik. Nicht weil das geforderte Niveau unerreichbar hoch ist, sondern weil viele als Kinder nicht mehr Skifahren lernen“, meint Bergwacht-Regionalgeschäftsführer David Pichler, der sich zugleich bei Thomas Mühlthaler und seinem Team der Jennerbahn und dem Berchtesgadener Bräustüberl für die seit vielen Jahren sehr gute Unterstützung und Bewirtung bedankt.
Bei der Winterprüfung am 1. März am Roßfeld gingen 14 ausgebildete Anwärter an den Start und demonstrierten den insgesamt 16 Prüfern nach dem Vier-Augen-Prinzip mit jeweils zwei Prüfern an jeder Station, dass sie alle Disziplinen der Bergrettung im Winter beherrschen: Die Rettung eines Patienten mit dem Akja aus steilem Gelände, der dafür abgeseilt und wieder aufgezogen werden muss, Akjafahren mit Skiern, einen Anker in Schnee und Eis bauen, Risiko-Management im winterlichen Gebirge mit umfangreichem Wissen zu Schnee- und Lawinenkunde und eine strategische LVS- Suche wie bei einem echten Einsatz mit zwei Verschütteten, die bei der Prüfung innerhalb von acht Minuten geortet und ansondiert werden müssen. „Wir prüfen hier die in den Bereitschaften und bei überregionalen Ausbildungen erlernten Bergrettungsfähigkeiten; es geht nicht mehr wie im Eignungstest ums Winterbergsteigen, sondern konkret um die Rettungsverfahren“, erklärt Scheurl. Anspruchsvollste Station ist dabei die LVS-Suche; nur wer sein Gerät perfekt beherrscht, trotz Stress strategisch vorgeht und in den verschiedenen Suchphasen konzentriert und strukturiert arbeitet, kann die Aufgabe in der Zeitvorgabe erfüllen und damit im Ernstfall auch einen Verschütteten ausgraben, bevor er erstickt ist. Wer die beiden Sondierplatten, die rund einen Meter tief vergraben sind, in den acht Minuten nicht findet, muss die Prüfung im nächsten Jahr wiederholen.
Die komplette Vorbereitung der Anwärter, sowohl auf den Eignungstest als auch auf die Prüfungen findet lokal in den 15 Bergwachten der Region Chiemgau statt. „Unsere Ausbilder und Prüfer investieren dabei unzählige Stunden ehrenamtliches Engagement, geben ihr oft über Jahrzehnte hinweg erworbenes Wissen, Können und ihre praktische Erfahrung an eine neue Generation von Bergsteigern weiter und sichern so trotz Ehrenamt ein nachhaltig hohes Qualitätslevel unter den fertig ausgebildeten Einsatzkräften“, lobt Pichler, der stellvertretend für das gesamte Team den beiden Regionalausbildungsleitern Mathias Scheurl und Simon Lehrberger dankt und allen Anwärtern alles Beste auf ihrem weiteren Ausbildungsweg und im Einsatz wünscht. „Herzlichen Dank auch an das Skigebiet Roßfeld und die Familie Schaupp für ihre bereits traditionelle Unterstützung und die Bewirtung im Anschluss an die Prüfung im Roßfeldstüberl!“



