FREILASSING – Die Rotkreuzlerinnen Simone Hobmayer und Helga Helmberger sind nach absolvierter Fortbildung im Präventionsprogramm „Gutes Sehen in Pflegeeinrichtungen“ offiziell Sehbeauftragte der Freilassinger Tagespflege und können ältere Menschen mit Sehbeeinträchtigung oder Blindheit optimal im Alltag unterstützen. Als eine von mittlerweile rund 600 Pflegeeinrichtungen in ganz Bayern gestaltet die Tagepflege unter der Leitung von Petra Jeuter ihr Angebot für ihre Besucher nun sehgerechter und senkt damit ihr Risiko, schwer an einer Demenz oder Depression zu erkranken.
Das Vorsorgeprogramm wird von der Blindeninstitutsstiftung in Kooperation mit mehreren Pflegekassen angeboten und finanziert, ist damit kostenfrei und wird aufgrund der hohen Nachfrage bereits zum dritten Mal verlängert. „Die Bedeutung des Sehens wird häufig unterschätzt. Unser Gehirn verarbeitet einen großen Teil der Informationen über die Augen – häufig sogar unbewusst. Visuelle Eindrücke beeinflussen unsere Aufmerksamkeit, unser Erinnerungsvermögen, Emotionen und auch unser Sprachverständnis. Seit 2024 gilt eine nachlassende Sehkraft offiziell als ein Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz, das durch Erhalt und Förderung der Sehkraft gesenkt werden kann“, erklärt Jeuter
Besser sehen – besser verstehen
Allein essen und trinken, sich im Bad zurechtfinden, das Telefon bedienen – vermeintlich einfache Tätigkeiten können mit einer Sehbeeinträchtigung zur großen Herausforderung werden. Obwohl vielen Menschen eigentlich bewusst ist, dass das Sehvermögen im Alter so oder so nachlässt, sind sich die Wenigsten tatsächlich der weitreichenden Auswirkungen auf den Alltag bewusst. Auch das Risiko, eine Demenz, eine Depression oder andere Erkrankungen zu entwickeln, steigt mit einer schwindenden Sehkraft. Gleichzeitig werden schleichend auftretende Sehverschlechterungen aber nicht selten auch als demenzielle Erkrankung fehlgedeutet.
Präventionsprogramm sensibilisiert und informiert
„Ich hab mich mit den speziellen Brillen in der Selbsterfahrungsbox hilflos und orientierungslos gefühlt, die unterschiedliche Augenerkrankungen vortäuschen“, erzählt Helmberger; nach erlebter Selbsterfahrung versteht sie deutlich besser, welche Hilfe sehbeeinträchtigte Menschen brauchen und mit wie viel Fingerspitzengefühl und Bewusstsein für Details Pflege und Betreuung ablaufen müssen: „Immer das Licht anzuschalten hilft schon ganz viel!“ Zum umfangreichen Angebot gehören eine digitale Wissensplattform, Online-Seminare und die Beratung durch die Sehbeauftragten vor Ort. Die Teilnahme am Präventionsprogramm, das in ganz Bayern angeboten wird, ist für voll- und teilstationäre Pflegeeinrichtungen kostenfrei. Es wird von der Pflegekasse der AOK Bayern, den Betriebskrankenkassen in Bayern, der IKK classic, der KNAPPSCHAFT und er Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) als Landwirtschaftliche Pflegekasse gefördert. Weiter Informationen finden man unter www.blindeninstitut.de/gutes-sehen
