· Einsätze

Aktuell viele Notfälle durch das hochsommerliche Wetter: Bergwacht Berchtesgaden heuer bereits bei über 130 Einsätzen gefordert

Windenrettung beim Kletterunfall in der Göll-Westwand
Windenrettung beim Kletterunfall in der Göll-Westwand

BERCHTESGADEN/BISCHOFSWIESEN/SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE – Trotz des wettertechnisch eher verhaltenen Frühsommers verzeichnet die Bergwacht Berchtesgaden derzeit bereits über 130 Einsätze im laufenden Jahr – davon bisher 24 im Juni, 16 im Mai und acht im April. Allein in der vergangenen Woche waren die ehrenamtlichen Einsatzkräfte zum Teil mehrmals täglich und auch gleichzeitig bei 14 Notfällen gefordert, darunter akute Erkrankungen, Verletzte nach Stürzen, Erschöpfte und im alpinen Gelände unverletzte Blockierte.

Am Donnerstagnachmittag (25. Juni) brauchte gegen 15.20 Uhr ein 51-jähriger Wanderer Hilfe, der sich unterhalb des Grünsees im Steinernen Meer am Fuß verletzt hatte und den die Bergwacht dann zusammen mit der Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ notärztlich versorgte und zur Kreisklinik Bad Reichenhall flog. Kurz nach 11 Uhr mussten Bergwacht und Wasserwacht auf den Weg zwischen Salet und Obersee ausrücken, wo eine erkrankte 43-Jährige aus Südkorea Hilfe brauchte. Die Einsatzkräfte versorgten sie, brachten sie mit dem Boot über den See und dann per Rettungswagen in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Am Mittwochmorgen (24. Juni) gegen 8.30 Uhr musste die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ eine erkrankte Frau vom Kärlingerhaus am Funtensee holen. Am Dienstagnachmittag (23. Juni) war gegen 14.50 Uhr ein 61-Jähriger aus Badem-Württemberg am Grünstein gestürzt und hatte sich schmerzhaft am Sprunggelenk verletzt. Die Bergwacht Berchtesgaden, die Berchtesgadener Notärztin und eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes versorgten den Mann und brachten ihn dann in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Um 4.20 Uhr in der Früh musste die Bergwacht einen intern erkrankten 25-jährigen Schweden von Herrenroint holen, den dann eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes in die Kreisklinik Bad Reichenhall einlieferte. Am Montagmittag (22. Juni) brauchte gegen 12 Uhr ein am Jenner-Königsweg intern erkrankter 70-Jähriger aus Niedersachsen Hilfe, den die Bergwacht ins Tal brachte und an eine Krankenwagen-Besatzung des Reichenhaller Roten Kreuzes übergab, die ihn in die Kreisklinik Bad Reichenhall einlieferte. 

Am Sonntagvormittag (21. Juni) kam es gegen 11 Uhr im Jubiläumsweg an der Westwand des Hohen Gölls zu einem Kletterunfall: Eine 29-jährige Salzburgerin war in der zweiten Seillänge aus etwa drei Metern Höhe gestürzt und hatte sich am Fuß verletzt. Sechs Bergretter sowie die Besatzung von „Christoph 14“ waren im Einsatz, wobei der Heli zunächst einen Bergretter mit der Winde absetzte, der einen Standplatz baute, dann einen weiteren Bergretter brachte, die Verletzte mit dem ersten Retter ausflog und zum Schluss noch die Seilpartnerin und den zweiten Bergretter abholte. Die beiden Frauen konnten anschließend selbst mit ihrem Auto ins Tal fahren. Am Samstagnachmittag (20. Juni) war die Bergwacht zusammen mit der Wasserwacht am Weg zwischen Salet und Obersee für eine mit Kreislaufproblemen kollabierte 29-Jährige aus Niedersachsen im Einsatz (wir berichteten); gleichzeitig brauchte ein internistisch Erkrankter am Jenner-Hochbahnweg Hilfe. Am Freitagabend (19. Juni) gegen 22 Uhr musste die Bergwacht drei erschöpfte US-Amerikaner im Alter von rund 30 Jahren im Grünstein-Klettersteig unterstützen, die selbst nicht mehr weiter aufsteigen konnten. Sechs Bergretter stiegen vom Gipfel ab, sicherten und betreuten die Gruppe und begleiteten sie anschließend zur Grünsteinhütte. 

Am Donnerstagmittag (18. Juni) verletzte sich gegen 13.20 Uhr ein 41-jähriger Mann bei einem Sturz im Sigeretsteig am Bein. „Christoph 14“ setzte einen Bergretter und den Notarzt an der Unfallstelle ab, die ihn versorgten, so dass er liegend im Luftrettungssack mit der Winde aufgenommen und zur Klinik geflogen werden konnte. Am Mittwochmittag (17. Juni) gerieten zwei 50-jährige Wanderer aus Tschechien auf der Nordseite des Kehlsteins in schwieriges Gelände und konnten ihren Weg nicht mehr selbstständig fortsetzen, so dass sie gegen 11.50 Uhr den Notruf wählten. „Christoph 14“ brachte zwei Bergretter zur Einsatzstelle, die das Duo so sicherten, dass es mit der Winde aufgenommen und ausgeflogen werden konnte. Am Dienstagabend (16. Juni) brauchte kurz nach 19.30 Uhr ein Erschöpfter mit Knieschmerzen an der Jenner-Königsbergalm Hilfe und kurz nach 17 Uhr eine Frau mit Knieschmerzen im Stiergraben zwischen Seeleinsee und Priesbergalm. Bereits gegen 14.15 Uhr war ein 73-jähriger Fahrradfahrer aus Baden-Württemberg am Beginn der Tristramschlucht rund sieben Meter in steiles, wegloses Gelände abgestürzt. Fünf Bergretter versorgten den nach erster Einschätzung mittelschwer Verletzten zusammen mit dem Berchtesgadener Notarzt, lagerten ihn schonend in einer Gebirgstrage und transportierten ihn zum Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes, mit dem er in die Kreisklinik Bad Reichenhall eingeliefert wurde. Am frühen Montagmorgen (15. Juni)  musste die Besatzung des Zeller Notarzthubschraubers „Alpin Heli 6“ einen Erkrankten vom Kärlingerhaus am Funtensee holen. Am 7. Juni und am 6. Juni rückte die Bergwacht gegen 8.45 und kurz nach 9 Uhr aus, um jeweils Wanderer mit Knieschmerzen von der Gotzenalm zu holen. Am 4. Juni brauchte frühnachmittags ein Erschöpfter am Jenner-Gleitschirm-Startplatz Hilfe und am 2. Juni kurz nach 14 Uhr ein Wanderer mit Knieschmerzen an der Jenner-Wasserfallalm.

16 weitere Einsätze im Mai
Am 31. Mai war die Bergwacht am frühen Nachmittag wegen einer Fußverletzung an der Grünsteinhütte im Einsatz. Am 30. Mai waren zwei Männer auf der Kneifelspitze und an der Regenalm gestürzt, mit dem Kopf aufgeschlagen und so schwer verletzt, dass sie nach notärztlicher Versorgung mit „Christoph 14“ abtransportiert werden mussten. Am Vormittag musste die Bergwacht einen Mann mit Kreislaufproblemen in der Nähe des Schönauer Bergfriedhofs holen. Am 27. Mai retteten die Bergwacht und „Christoph 14“ am Jenner-Krautkaserhang einen Wanderer mit einer Fußverletzung. Am 26. Mai brauchte eine ältere erschöpfte Frau an der Jenner-Vogelhüttenalm Hilfe. Am 25. Mai war die Bergwacht zusammen mit der Feuerwehr und dem Landrettungsdienst des Roten Kreuzes für einen am Roßfeld abgestürzten und schwer verletzten 27-jährigen Kradfahrer im Einsatz (wir berichteten). Bereits kurz nach 14 Uhr musste die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers „Christophorus 6“ einen Bergsteiger mit im Abstieg vom Schneibstein zum Stahlhaus ausgerenkter Kniescheibe retten. Am 24. Mai waren die Bergwacht und „Christoph 14“ für einen neben der Startrampe am Jenner verunfallten Drachenflieger im Einsatz. Am 17. Mai kam eine im Übungsklettersteig am Hanauerstein blockierte Frau nicht mehr weiter. Am 12. Mai retteten die Bergwacht und „Christoph 14“ zwei abseits des Rinnkendlsteigs Verstiegene. In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai holten die Bergwacht und die Besatzung des nachtflugtauglichen und mit einer Winde ausgestatteten Niederöblarner Notarzthubschraubers „Christophorus 14“ einen Bergsteiger, der im Abstieg vom Hohen Göll durchs Alpeltal unterhalb der Umgänge in 1.900 Höhenmetern nicht mehr weiterkam. Am 9. Mai flog „Christophorus 6“ im letzten Tageslicht vier Erschöpfte aus der Göllleiten aus. 

Acht Einsätze im April
Am 30. April brauchte gegen 16.50 Uhr ein Gestürzter zwischen Jenner-Krautkaser und Mittelstation Hilfe. Am 28. April musste die Bergwacht kurz nach 14 Uhr einen am Klingerweg zwischen Rodelbahn und Klettersteig-Einstieg umgeknickten 42-Jährigen aus dem Landkreis Traunstein mit einer Fußverletzung versorgen und an eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes übergeben, die ihn dann in die Kreisklinik Bad Reichenhall einlieferte.  Am 26. April war die Bergwacht um 17 Uhr am Grünstein und um 16 Uhr zusammen mit „Christophorus 6“ bei einem vermeintlichen Gleitschirmabsturz am Jenner im Einsatz, der sich dann in Wohlgefallen auflöste. Am 21. April brauchten gegen 17 Uhr am Kehlstein-Rundweg wegen des Schnees blockierte Wanderer Hilfe, die die Bergwacht zusammen mit „Christoph 14“ rettete; am 17 April war gegen 14.40 Uhr eine Frau nördlich des Mannlgrats verstiegen und blockiert, die ebenfalls mit „Christoph 14“ gerettet wurde. Am 1. April setzten kurz nach 20 Uhr vier deutsche Wanderer einen Notruf ab, die ohne Ski oder Schneeschuhe durchs Bluntautal zum Stahlhaus unterwegs waren und oberhalb der Jochalmen aufgrund des vielen Schnees erschöpft nicht mehr weiterkamen; den aufwendigen Nachteinsatz absolvierte dann eine Fußmannschaft der Bergrettung Golling mit Tourenskiern und die Besatzung von „Christophorus 14“, die die von der Bergrettung erstversorgten Unverletzten mit der Winde aufnahm und ins Tal flog.

Neben den geschilderten Einsätzen war die Berchtesgadener Bergwacht noch bei einigen weniger aufwendigen Einsätzen und Nachforschungen nach gemeldeten Lichtquellen oder vermeintlich abgestürzten Gleitschirmen gefordert.