· Pressemitteilung

15 Bergwachten der Region Chiemgau leisten 2025 1.173 Einsätze in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen

Von links: David Pichler, Michi Holzner, Nik Burger und Stefan Strecker.

BAD REICHENHALL (ml) – Die 15 Bergwachten aus den Landkreisen Altötting, Berchtesgadener Land und Traunstein haben bei der Jahreshauptversammlung der Region Chiemgau in Bad Reichenhall auf insgesamt 1.173 (2024: 1.081) Einsätze zurückgeblickt, zu denen die ehrenamtlichen Bergretter 2025 in den Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen ausrücken mussten – über acht Prozent mehr als 2024. Regionalleiter Dr. Klaus Burger (Bad Reichenhall) seine beiden Stellvertreter Michael Holzner (Inzell) und Stefan Strecker (Bad Reichenhall) und Geschäftsführer David Pichler (Ruhpolding) dankten allen ausschließlich ehrenamtlichen Einsatzkräften für ihr stetiges großes Engagement bei Ausbildung und Rettungen in einem oftmals sehr intensiven und fordernden Jahr und gedachten der 14 Toten, die nicht mehr lebend vom Berg gerettet werden konnten. Bei über einem Drittel der Einsätze (406) war ein Heli dabei. 

Regionalleiter Burger, der auch langjähriger Vorsitzender des Deutschen Gutachterkreises für Alpinunfälle ist, berichtet von noch mehr Rettungen von blockierten Unverletzten aus Bergnot, die bis zum Anschlag gehen und dann weder vor noch zurück können – über die Jahre bald dreimal mehr Männer als Frauen: „Uns liegen dazu noch keine genauen Auswertungen vor; der generelle Rückschluss, dass der Mann risikobereiter ist, sollte deshalb nicht vorschnell gezogen werden und hängt auch davon ab, wie viele Männer oder Frauen überhaupt am Berg unterwegs sind. Rechtzeitig umzukehren ist am Berg aber definitiv keine Schwäche, sondern echte Stärke. Die gesunde Selbsteinschätzung nimmt tendenziell ab, und die Nähe unserer Berge zur urbanen Welt, bedingt auch durch freilich wertvollen Tourismus und den Ausbau der Infrastruktur, minimiert oftmals das Gefahrenbewusstsein; der Übergang in die wilde Natur, in absturzgefährliches Gelände, erfolgt immer wieder unbemerkt.“

Am meisten zu tun hatte die Bergwacht 2025 laut Geschäftsführer David Pichler und der von Marcel Häusler erstellten Auswertung mit Einsätzen beim Wandern (297), beim alpinen Skifahren auf Pisten (294) und beim Bergsteigen (234) abseits befestigter Wege. Regionalleiter-Stellvertreter Michi Holzner, zugleich im Nebenjob verantwortlich für die Skiwacht in der Region, hat sich das Alter der Patienten genauer angeschaut: So verunfallten beim Skifahren vor allem Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre und beim Wandern und Bergsteigen die 20 bis 40-Jährigen, was wohl auf eine entsprechend höhere Dynamik und Risikobereitschaft hindeutet, denn Ältere über 40 sind weniger betroffen.

Auffällig mehr Einsätze gab es beim Snowboarden (66), beim Rodeln (30) und ganz deutlich beim Bergradeln mit E-Bikes (29), während beim herkömmlichen Bergradeln (26), Klettern (23), Gleitschirmfliegen (17) und Skitourengehen (15) gleich viel oder sogar weniger als im Vorjahr passiert ist. Klettersteiggehen (10), Langlaufen (9), Berglauf (8) und Schneeschuhwandern (3) spielten 2025 eine eher geringe Rolle. Zehn Notfälle passierten bei Hüttenaufenthalten – eine eigentlich nicht hohe Zahl, die aber doch erstaunlich im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen ist; konkret geht es um Patienten, die auf der Hütte akut erkranken oder sich während ihres Aufenthalts dort verletzen.

Die Region Chiemgau gliedert sich taktisch in vier separate Einsatzleitbereiche (Königssee, Saalachtal, Trauntal und Achental), die sich bei Bedarf ergänzen und gegenseitig unterstützen. Einsatzstärkste Bergwachten waren 2025 Reit im Winkl mit den dortigen Skigebieten (335) und Berchtesgaden (324) mit sehr vielen Sommerrettungen - gefolgt von Ramsau mit einer deutlichen Steigerung hin zu 156 Einsätzen, Bad Reichenhall (96), Ruhpolding (73), Marktschellenberg (47), Grassau und Bergen (je 33), Inzell (28), Schleching und Teisendorf-Anger (je 10) und Traunstein (3). An vielen Einsätzen sind mehrere Bergwachten beteiligt, die mit Personal und spezialisierten Einsatzkräften (Fachberater, Notarzt, Drohnenteam, SAR-Recco, Höhlen- oder Canyonrettung, Hundestaffel, Krisenintervention, Drohnenteam, Vegetationsbrand) unterstützen – der Einsatz an sich wird aber statistisch immer der örtlich zuständigen Bergwacht zugeordnet.

Noch immer boomt der Bergsport und wird vor allem in den Sozialen Medien intensiv beworben, weshalb immer mehr Menschen Erholung und Erlebnis in den Bergen suchen. „Wir sind da, um in der Not zu helfen, klagen deshalb auch nicht über die zusätzlichen Einsätze und raten im Zweifelsfall dazu, lieber früher und einmal mehr einen Notruf abzusetzen, bevor es aussichtslos wird; Bergrettung darf aber keine vorab eingeplante Kraftreserve der alpinen Selbstverwirklichung sein!“, betont Burger, der bei deutlich erkennbaren Entwicklungen auch immer wieder versucht, mit Prävention Notfälle zu verhindern: „Wichtig ist eine gute Tourenplanung, gegebenenfalls eine alternative Route, nicht nur digital am Handy, die Abfrage von Wetterdaten, eine gesunde Selbsteinschätzung, die Bereitschaft zur rechtzeitigen Umkehr und eine gute Ausrüstung einschließlich der Notfallausrüstung mit gutem Regenschutz, ausreichend Wechselwäsche für unvorhersehbar notwendigen Wärmeerhalt und ein leichter Biwaksack, zumindest einer Rettungsdecke. Auch das Handy – bitte aufgeladen und am Körper getragen – gehört mittlerweile zur Notfallausrüstung.“ Sein Stellvertreter Stefan Strecker erinnert auch an die wichtige Funktion der Rückmeldung – vor allem wenn man alleine unterwegs ist: Im Tal sollte immer jemand wissen, wo man unterwegs ist, welches Ziel man hat und wann man zurück sein will, damit frühzeitig die Rettungskette in Gang gesetzt wird und eine Vermisstensuche örtlich eingegrenzt werden kann und Aussicht auf Erfolg hat.

Burger dankte allen Bereitschaftsleitern und den Verantwortlichen der Ressorts und Spezialgruppen für ihr großes Engagement und lobte ihr umsichtiges Handeln, da weder Nachwuchssorgen bestehen noch letztes Jahr Unfälle bei Einsätzen und Übungen passiert sind: Einsatz mit Andi Zenz (Bergen), Monika Aßmann (Bad Reichenhall) und Michael Hofer (Grassau), Ausbildung mit Sichtung und Prüfung aller Anwärter in der Region mit Matthias Scheurl (Inzell) und Simon Lehrberger (Ruhpolding), Dr. Enrico Staps (Inzell) für das Team Notärzte und Notfallmedizin, Franz März (Altötting) für den Bereich Natur- und Umweltschutz und Umweltprüfung der Anwärter, Stefan Strecker (Bad Reichenhall), Achim Tegethoff (Marquartstein) und Michael Partholl (Ramsau) für die Fachberatung Vermisstensuche sowie jeweils an der Spitze Florian Neubauer (Bad Reichenhall) für die Canyon-Rettungsgruppe, Achim Tegethoff (Marquartstein) für die Hundestaffel, Andreas Lukas (Grassau) für den Kriseninterventionsdienst (KID), Hubert Mayer (Freilassing) für die Höhlenrettung, Alex Beaury (Traunstein) für das Drohnenteam des Technikbusses, Nico Perzl (Altötting) für das Team alpine Umwelt- und Vegetationsbrand-Einsätze und Werner Thaler (Bad Reichenhall) und Siegfried Fritsch (Freilassing) für die Revision.