SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE – Das ehrenamtliche Team vom Herzenswunsch Hospizmobil des Roten Kreuzes und die BRK-Wasserwacht Ortsgruppe Berchtesgaden haben dem unheilbar kranken 29-jährigen Lukas aus der Nähe von Karlsruhe mit einer Bootsfahrt über den Königssee seinen großen Herzenswunsch erfüllt. Der junge Mann leidet an einer vererbten Muskel-Atrophie, die sich bereits im Kindesalter bemerkbar gemacht hat. Seit seinem zehnten Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl, mittlerweile wird er rund um die Uhr beatmet und benötigt eine ständige Pflegekraft an seiner Seite, was aber der ganzen Familie nicht die Lebensfreude getrübt hat – ganz im Gegenteil: Was für viele andere Menschen unvorstellbar erscheint, gehört für Lukas und seine Familie längst zum Alltag. Trotz der anspruchsvollen Bedingungen zieht es sie seit vielen Jahren regelmäßig ins Berchtesgadener Land, um Freunde bei Bad Reichenhall zu besuchen. Die Berge, die klare Luft, die Weite der Landschaft – all das hat es Lukas angetan, und jedes Jahr freut er sich aufs Neue auf diese Reise in den Süden. Doch ein Wunsch blieb bislang unerfüllt und wegen des Lebens im Rollstuhl scheinbar nicht realisierbar: einmal mit dem Boot über den Königssee zu fahren, diesen smaragdgrünen See, dessen Schönheit Besucher aus aller Welt in seinen Bann zieht.
Bei bayerisch-weißblauem Himmel und angenehmen Sommertemperaturen traf sich die kleine, aber bewegte Gruppe an der Anlegestelle am Königssee – bereit, einem jungen Mann einen unvergesslichen Tag zu schenken. Ganz einfach war der erste Schritt allerdings nicht: Als es darum ging, selbst mit dem Elektro-Rollstuhl über die Rampe auf das Boot der Wasserwacht zu fahren, zögerte Lukas zunächst, denn er erinnerte sich an einen schweren Unfall vor rund drei Jahren, bei dem er gegen eine Autotür gefahren war und sich beide Beine gebrochen hatte. Doch mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und der vereinten Unterstützung aller Helfer vor Ort gelang es, ihn sicher an Bord zu bringen. Ein Moment, der zeigt, dass es oft nicht nur Technik und Organisation braucht, sondern vor allem Vertrauen und menschliche Nähe, damit etwas gut klappt“, berichtet Martin Planegger von der Wasserwacht.
Die Leinen wurden losgemacht und das Boot glitt hinaus auf das glasklare Wasser. Mit leuchtenden Augen sog Lukas die atemberaubende Kulisse aus schroffen Felswänden und dichten Wäldern in sein Herz und genoss die Freiheit auf dem Wasser. Als die Wasserwacht das Tempo etwas erhöhte, war die Begeisterung in seinem Gesicht unübersehbar – für einen Moment schien alle Schwere des Alltags vergessen, und es zählte nur noch das Gefühl von Wind und Wasser. Als das Boot schließlich wieder an der Anlegestelle festmachte, strahlte Lukas über beide Ohren. Überwältigt von den vielen neuen Eindrücken war er zugleich auch ein kleines bisschen froh, wieder festen Boden unter sich zu spüren. Wie sehr dieser Tag die Familie berührt hat, zeigte sich im Anschluss: Als Zeichen ihrer Dankbarkeit lud die Familie alle beteiligten Ehrenamtlichen ins Echostüberl zum gemeinsamen Essen ein. Bei guter Stimmung und herzlichen Gesprächen klang dieser besondere Tag gemütlich aus. „Ein würdiger Abschluss für ein einzigartiges Erlebnis, das zeigt, wie viel Freude entstehen kann, wenn Menschen mit ganzem Herzen füreinander da sind und zusammenhelfen!“, freut sich Planegger. Die Ehrenamtlichen Rotkreuzler des für die Gebiete Berchtesgadener Land, Traunstein und das Salzburger Land zuständigen Herzenswunsch Hospizmobils erleben bei solchen Wunscherfüllungen immer wieder, dass ehrenamtliches Engagement weit mehr sein kann als reine Nothilfe – es kann Träume wahr werden lassen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen unvergessliche, wertvolle Momente schenken.




