BAD REICHENHALL/KARLSTEIN – Die Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger und die Besatzung des Kitzbüheler Notarzthubschraubers „Christophorus 4“ haben am späten Donnerstagnachmittag unter sehr anspruchsvollen Bedingungen einen schwer verletzten 22-jährigen Sachsen zwischen zwei schweren Gewittern vom Hochstaufen gerettet. Der junge Mann war an der Abzweigung zum Mittelstaufensteig gestürzt und hatte sich am Bein eine tiefe und stark blutende Schnittwunde bis zum Knochen zugezogen, woraufhin er und seine Begleiterin gegen 17.15 Uhr den Notruf wählten, aber zunächst das erste schwere Gewitter in einem selbst eingerichteten Notbiwak abwarten mussten, was gut klappte, da der 22-Jährige selbst Sanitäter ist, seine Lage gut einschätzen und seine Begleiterin zu den richtigen Erste-Hilfe-Maßnahmen anleiten konnte.
„Christophorus 6“ aus Salzburg konnte wetterbedingt nicht anfliegen, die Besatzung des Kitzbüheler Notarzthubschraubers „Christophorus 4“ schaffte es aber während eines kurzen Wetterfensters am Mittelstaufen zu landen, setzte dort die Notärztin und die Ausrüstung ab und flog dann mit dem variablen Rettungstau zur Einsatzstelle, wo der Flugretter den Verletzten und seine Begleiterin zu sich ans Tau sicherte, bevor wenige Sekunden später von Westen weitere Wolken die Einsatzstelle wieder in Nebel einhüllten; der Heli konnte deshalb nicht mehr zum Zwischenlandeplatz zurückkehren und flog ins Tal, wo er dann am Schönauer Weg nördlich des Seebachs landete, da die Tiroler Besatzung den Landeplatz am Flatscherreindl nicht kannte. Da die Notärztin und die Ausrüstung am Mittelstaufen zurückgelassen werden mussten, forderte der Einsatzleiter sofort den Bergwacht-Notarzt nach und schickte die Bergwacht-Fahrzeuge los, die den Heli einige Zeit suchten und schließlich auch fanden, so dass der 22-Jährige im Rettungsfahrzeug notfallmedizinisch versorgt werden konnte.
Da von Beginn an nicht klar war, ob überhaupt wegen der Gewitter ein Heli bis zum Patienten durchkommt und das Risiko bestand, dass er verblutet, waren von der Nordseite aus in zwei Trupps weitere Einsatzkräfte der Bergwacht Teisendorf-Anger aufgestiegen, wobei es der zweiköpfige Voraustrupp in einer unglaublichen Zeit von knapp einer Stunde laufend bis zum Mittelstaufen schaffte, wo die Notärztin mit der Ausrüstung im Nebel festsaß. „Christophorus 4“ nutzte dann eine kurze Wolkenlücke vor dem nächsten bereits aufziehenden sehr scharfen Gewitter, konnte in zwei anspruchsvollen Manövern die Notärztin am Tau und in einem weiteren Anflug die beiden Bergretter und die Ausrüstung abholen und sicher ins Tal fliegen, wobei am Berg bedingt durch die Wolken nur wenige Sekunden Zeit zum Einladen und Einsteigen blieben. Die nachrückenden Angerer Bergretter waren gerade am Grat und flüchteten dann vor den Blitzeinschlägen ins Reichenhaller Haus, wo sie das Wetter abwarteten und dann wieder abstiegen. Eine Rettungswagen-Besatzung des Reichenhaller Roten Kreuzes übernahm den notärztlich versorgten 22-Jährigen und brachte ihn in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Der Einsatz dauerte bis 20.30 Uhr.















