· Einsätze

Bergwacht Ramsau rettet in knapp über einer Woche 27 Menschen vom Berg

Einsatz am 16. Juli an der Südspitze.
Einsatz am 16. Juli an der Südspitze.
Einsatz am 14. Juli am Hocheck.
Einsatz am 16. Juli an der Südspitze.

RAMSAU BEI BERCHTESGADEN – Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht Ramau mussten seit vergangenem Freitag insgesamt 27 in Bergnot geratende, verletzte und akut erkrankte Menschen vom Watzmann und Hochhalter und von der Reiteralpe retten. Einsatzschwerpunkt war wie in der Hochsaison der Vorjahre erneut die Watzmann-Überschreitung, die aufgrund der großen Höhendifferenz, des weiten Wegs und des alpinen Charakters weniger erfahrene, nicht so trittsichere, nicht schwindelfreie und konditionsschwächere Bergsteiger insbesondere im Abstieg über die Südspitze so sehr an ihre Grenzen bringt, dass dort oft spät in der Nacht immer wieder Bergrettungen notwendig sind. „Eine lückenlose Tourenplanung ist für ortsunkundige Alpinisten am Watzmann unerlässlich. Beim Einstieg in die Gratüberschreitung auf dem Hocheck ist unbedingt eine Go/NoGo-Entscheidung zu treffen, bei der die bisher für den Aufstieg benötigte Energie und Zeit gute Anhaltspunkte sind, bei der aber auch die aktuell von Gewittern und Starkregen geprägten Wetterverhältnisse eine entscheidende Rolle spielen“, erklärt Bereitschaftsleiter Michael Renner.

Am frühen Sonntagnachmittag (19. Juli) brauchte gegen 13.30 Uhr eine vom Starkregen durchnässte, aber unverletzte vierköpfige Familie mit zwei zehn- und zwölfjährigen Kindern Hilfe, die im Abstieg von der Reiteralpe über den eingeschossenen Steig in rund 1.200 Höhenmetern aufgrund des nassen Untergrunds an der ausgesetzten Querung nicht mehr weiterkam. Acht Bergretter stiegen zu Fuß auf und sicherten die Gruppe, so dass sie die absturzgefährliche Passage überwinden konnte.

In der Nacht von Samstag (18. Juli) auf Sonntag mussten die Bergwacht Ramsau und die Besatzung des nachtflugtauglichen und mit einer Winde ausgestatteten Niederöblarner Notarzthubschraubers „Christophorus 14“ einen nach der Watzmann-Überschreitung komplett erschöpften Oberfranken vom Südspitz-Abstieg retten. Die vierköpfige Gruppe war bereits um 6 Uhr in der Früh am Parkplatz losgegangen, aber erst um 14 Uhr am Hocheck in die Überschreitung eingestiegen und hatte dann kurz nach 22.30 Uhr am Goldbründl den Notruf gewählt. Drei Bergretter fuhren ins hintere Gries, stiegen zu Fuß auf und übernahmen die Erstversorgung, bis der Heli aus dem steierischen Ennstal in der Ramsau eintraf und nach einer kurzen Einweisung am Tallandeplatz den Erschöpften vom Berg holte. Die restliche ebenfalls erschöpfte, aber noch gehfähige Gruppe stieg mit der Bergwacht weiter zu Fuß ab und fuhr mit zur Bergrettungswache und anschließend nach einer warmen Mahlzeit mit dem Geretteten zurück in die Unterkunft im inneren Landkreis. Der Einsatz dauerte bis 2.30 Uhr. Am späten Samstagvormittag musste die Bergwacht eine internistisch erkrankte 25-jährige Wienerin retten, die  gegen 10.50 Uhr am Eingang der Wimbachklamm Hilfe brauchte und dann mit einem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes zu einem niedergelassenen Arzt im inneren Landkreis gefahren wurde.

Am späten Donnerstagabend (16. Jui) brauchten kurz nach 23 Uhr drei unterkühlte und dehydrierte Tschechen am Goldbründl im Südspitz-Abstieg Hilfe, die die erste Gewitterfront am Watzmann überstehen mussten. Die Bergwacht Ramsau und die Besatzung des Polizeihubschraubers „Edelweiß 7“ mussten wegen des fehlenden Handynetzes die genaue Position der Gruppe erst herausfinden, führten dann zwischen den beiden Gewittern die Rettung durch, wobei elf Bergretter bis 3.30 Uhr im Einsatz waren und den Heli mit dem Kerosinanhänger am Sportplatz nachtankten. Bereits kurz nach 22 Uhr wurden über Notruf zwei Lichtquellen vom Watzmann gemeldet, die die Bergwacht aber schnell über die Webcam als späte Bergsteiger im Abstieg identifizieren konnte. Gegen 18.50 Uhr brauchte ein erschöpfter und dehydrierter Mann aus Nordrhein-Westfalen Hilfe, der auf der Reiteralpe abseits des Steigs im steilen Hang unterhalb des Edelweißlahnergipfels in Richtung Antonigraben nicht mehr weiterkam und kein Wasser mehr dabeihatte. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ und ein Ramsauer Bergretter nahmen den Unverletzten mit der Winde auf und flogen ihn ins Tal, woraufhin er selbst zu seiner Unterkunft zurückfahren konnte. Gegen 15.50 Uhr brauchte ein 38-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen Hilfe, der im Abstieg vom Watzmannhaus mit dem Sprunggelenk umgeknickt, aber noch weiter bis zur Benzinkurve abgestiegen war, wo ihn die Bundespolizei von Kühroint erstversorgte und dann der Bergwacht für den Weitertransport zur Rettungswache in der Ramsau übergab, wo ihn eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes übernahm und in die Kreisklinik Bad Reichenhall einlieferte.

Am Dienstagnachmittag (14. Juli) ging kurz nach 14 Uhr ein Notruf wegen einer 44-jährigen Hamburgerin ein, die sich am Fuß verletzt hatte und am Hochstieg zwischen Watzmannhaus und Hocheck im Biwaksack auf Hilfe wartete. „Christoph 14“ und ein Ramsauer Bergretter nahmen sie mit der Winde auf und flogen sie ins Tal; mit einem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes gings dann weiter zur Kreisklinik Bad Reichenhall. Bereits gegen 13.15 Uhr hatte eine Allgäuerin angerufen, die sich im Abstieg zur Wimbachgrieshütte das Handgelenk geprellt hatte und dann von dort von der Bergwacht mit dem Fahrzeug abgeholt und ins Tal gefahren wurde. Um 11.40 Uhr hatte sich eine 58-Jährige aus Rheinland-Pfalz zwischen der Wimbachbrücke und dem Schapbachweg das Sprunggelenk gebrochen; die Bergwacht versorgte sie und übergab sie an eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes, die sie in die Kreisklinik Bad Reichenhall brachte. 

Am Montagnachmittag (13. Juli) brauchte gegen 16.15 Uhr eine oberbayerische Kletterin nach einem Steinschlag aufs Handgelenk Hilfe, die „Christoph 14“ von der Blaueishütte abholte und dann zur Kreisklinik Bad Reichenhall flog. Am Sonntagnachmittag (12. Juli) mussten mehrere Ramsauer Bergretter und „Christoph 14“ vier oberbayerische Bergsteiger mit der Winde aus der Rinne von der Blaueisscharte zum Gipfel retten, die rund 100 Meter unterhalb des Kreuzes nach einem Steinschlag aufs Knie und einem Sturz auf den Rücken nicht mehr weiterkamen und deshalb gegen 16.45 Uhr den Notruf gewählt hatten. Bereits gegen 16 Uhr war zwischen der Wimbachbrücke und der Schapbachalm eine 62-Jährige aus Baden-Württemberg mit dem Radl gestürzt und verletzt liegengeblieben. Die Bergwacht versorgte sie notfallmedizinisch und übergab sie zum Weitertransport in die Kreisklinik Bad Reichenhall an eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes.

Am Samstagnachmittag (11. Juli) hatte sich gegen 13.30 Uhr ein 58-Jähriger aus Unterfranken zwischen alter und neuer Blaueishütte am Hochkalter das Sprunggelenk gebrochen; bereits kurz nach 12.30 Uhr hatte sich eine 55-jährige Oberbayerin direkt am Eisberggipfel auf der Reiteralpe ebenfalls das Sprunggelenk gebrochen und ausgerenkt; „Christoph 14“ und die Bergwacht retteten die Frau und den Mann, die dann eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes zusammen in die Kreisklinik Bad Reichenhall brachte.

Am Freitagnachmittag (10. Juli) kam kurz nach 16 Uhr eine Bergsteigerin aus Niedersachsen am Goldbründl im Südspitz-Abstieg nicht mehr weiter, da sie sich am Sprunggelenk verletzt hatte; „Christoph 14“ und die Bergwacht flogen sie zur Wache ins Tal, wo sie von Angehörigen abgeholt wurde. Bereits kurz nach 9 Uhr wurde über Notruf ein über geschätzt 35 Höhenmeter abgestürzter 60-jähriger Oberbayer am Einstieg des Klettersteigs zum Wagendrischelhorn auf der Reitealpe gemeldet, den bereits andere Bergsteiger versorgten, darunter ein Anwärter der Reichenhaller Bergwacht. „Christoph 14“ und ein Ramsauer Bergretter retteten den mehrfach verletzten, aber wieder ansprechbaren Mann mit der Winde und flogen ihn dann zum Klinikum Traunstein.