· Einsätze

Aufwendiger Nachteinsatz: Tschechen steigen von der Watzmann-Südspitze durch die Ostwand zur Biwakschachtel ab

Einsatz am 12. September in der Watzmann-Ostwand.
Einsatz am 9. September im Rinnkendlsteig
Einsatz am 12. September an der Brettgabel.
Einsatz am 4. September an der Büchsenalm.

22 Menschen gerettet und versorgt – darunter sechs Bergsteiger und Wanderer allein am vergangenen Samstag

SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE –  Während der letzten zwei Wochen war die Bergwacht Berchtesgaden bei 20 weiteren Einsätzen rund um den Königssee gefordert, wobei bei teilweise anspruchsvollen Gelände- und Wetterverhältnissen insgesamt 22 akut erkrankte, verletzte, erschöpfte und in Not geratene Menschen versorgt wurden.

Am Donnerstagabend (18. September) gegen 19.50 Uhr mussten Bergwacht und Wasserwacht zur Fischunkelalm am Obersee ausrücken, wo eine 49-jährige Berlinerin mit Überlastungsknieschmerzen nach einer zweitägigen Bergtour nicht mehr weiterkam. Die Einsatzkräfte fuhren mit dem Rettungsboot nach Salet und gingen der Frau dann entgegen, die bereits langsam den Abstieg vom Obersee begonnen hatte. Sie wurde versorgt und dann mit dem Boot zur Seelände gefahren, wobei der Einsatz gute zwei Stunden dauerte. Am Mittwochnachmittag (16. September) brauchte gegen 15.40 Uhr am Einstieg des Grünstein-Klettersteigs ein akut internistisch erkrankter 22-jähriger Türke notärztliche Hilfe, woraufhin die Leitstelle die Bergwacht und den Landrettungsdienst des Berchtesgadener Roten Kreuzes mit Rettungswagen und Notärztin losschickte. Zwei Bergretter fuhren mit der Ärztin auf dem All-Terrain-Vehicle (ATV) zum Patienten, den dann die nachgeforderte Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ übernahm und zur Klinik flog. Am Dienstag (15. September) musste die Bergwacht kurz nach 15.30 Uhr zeitgleich zwei erkrankten und erschöpften 78 und 69 Jahre alten Männern aus Baden-Württemberg und Berlin an der Jenner-Mitterkaser- und Wasserfallalm helfen, die mit Rettungsfahrzeugen ins Tal gebracht wurden; gegen 16 Uhr holte „Christoph 14“ einen weiteren Patienten mit Fußverletzung von der Fischunkelalm am Obersee. Am frühen Sonntagnachmittag (13. September) verletzte sich eine 56-jährige Wanderin aus Hessen am Grünstein am Sprunggelenk; zwei um 13.25 Uhr alarmierte Bergretter versorgten sie, fuhren sie ins Tal und übergaben sie an die Surheimer Rettungswagen-Besatzung. Während des Einsatzes unterstützte der Bergwacht-Einsatzleiter als Erstversorger für den Landrettungsdienst bei einem weiteren Notfall am Königssee, wo eine 83-jährige Einheimische gestürzt und mit mehreren Verletzungen liegengeblieben war; die Frau kam dann mit einem Rettungswagen des Reichenhaller Roten Kreuzes in die Kreisklinik Bad Reichenhall.

Sechs Gerettete bei vier Einsätzen allein am Samstag
Ein besonders aufwendiger Einsatz ereignete sich in der Nacht von Freitag auf Samstag (12. September) in der Watzmann-Ostwand: Zwei 27- und 28-jährige Bergsteiger aus Tschechien waren auf der Watzmann-Überschreitung unterwegs und entschieden sich aufgrund der späten Uhrzeit dann an der Südspitze zur Biwakschachtel in die Ostwand abzusteigen, die sie auf der Karte entdeckt hatten und als Nachtlager nutzen wollten. Während des Abstiegs wurde die 28-jährige Frau in rund 2.500 Höhenmetern durch Steinschlag an der Hüfte getroffen und mittelschwer verletzt, weshalb ihr Begleiter gegen 0.40 Uhr den Notruf wählte. Die Besatzung eines nachflugtauglichen SAR-Hubschraubers der Bundeswehr flog in rund eineinhalb Stunden von Niederstetten in Baden-Württemberg zum Watzmann und rettete das Duo mit zwei Berchtesgadener Bergrettern per Winde aus seiner misslichen Lage im Absturzgelände; die verletzte 28-Jährige kam nach Erstversorgung durch den Grassauer Bergwacht-Notarzt mit einem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes in die Kreisklinik Bad Reichenhall, wobei der Einsatz bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Gegen 8.30 Uhr gings für die Bergwacht dann am Schneibsteinhaus weiter, wo ein 71-jähriger Wanderer aus Franken mit Knieproblemen versorgt und mit dem Rettungsfahrzeug zu einer örtlichen Arztpraxis gebracht werden musste. Gegen 14.30 Uhr stürzte eine 29-jährige Wanderin aus Salzburg an der Brettgabel und verletzte sich am Kopf. „Christoph 14“ und vier Bergretter versorgten sie notärztlich, retteten sie per Winde und flogen sie zur Klinik. Um 16.30 Uhr brauchten an der Königsbachalm eine 72-jährige Frau und ein 68-jähriger Mann aus Brandenburg mit Kreislaufproblemen die Bergwacht, die sie versorgte und ins Tal fuhr. 

Am Mittwoch (9. September) setzte kurz nach 15.30 Uhr eine 26-jährige Wanderin aus Baden-Württemberg einen Notruf ab, die bedingt durch das Regenwetter und das alpine Gelände nicht mehr weiter durch den Rinnkendlsteig nach Bartholomä absteigen konnte. Die BRK-Wasserwacht brachte mit ihrem Rettungsboot vier Bergretter über den Königssee, die dann aufstiegen und die Unverletzte sicher nach unten begleiteten. Am Abend zeichnete sich dann noch eine mögliche Vermisstensuche im Steinernen Meer ab, die sich dann aber in Wohlgefallen auflöste. Am Dienstag (8. September) rückten um 13.40 Uhr zwei Bergretter zum Steinernen Bankerl oberhalb der Jenner-Königsbachalm aus und versorgten eine erkrankte und erschöpfte 80-jährige Wanderin aus Sachsen, die sie dann per Fahrzeug ins Tal brachten und an die Krankenwagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes übergaben, die sie zu einem niedergelassenen Arzt fuhr. Gleichzeitig klärte der Einsatzleiter einen vermeintlichen Gleitschirmabsturz am Jenner ab, wobei sich schnell herausstellte, dass nichts passiert war.

Am Sonntagnachmittag (6. September) verletzte sich gegen 15 Uhr eine 77-jährige Hessin am Brandkopf-Stufenweg am Fuß. Vier Bergretter und eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes rückten mit dem ATV aus, versorgten die Frau, brachten sie zur befestigten Straße und lieferten sie dann in die Kreisklinik Bad Reichenhall ein. Am frühen Samstagnachmittag (5. September) schaffte es „Christoph 14“ in einem kurzen Wolkenfenster eine 56-jährigen Wanderin aus der Oberpfalz vom Kärlingerhaus am Funtensee zu holen, die gegen 12 Uhr wegen einer Fußverletzung Hilfe angefordert hatte; bereits um 7.50 Uhr brauchte an der Wasseralm in der Röth eine akut erkrankte 49-Jährige aus dem Landkreis Starnberg notärztliche Hilfe, die ebenfalls von „Christoph 14“ gerettet wurde. Aufgrund des schlechten Wetters hatten die Bergretter zunächst aufwendige bodengebundene Rettungen vorbereitet. Am Samstagabend rückten gegen 21.50 Uhr vier Bergretter auf den Weg zwischen Scharitzkehl- und Ligeretalm aus, wo sich eine 30-jährige Einheimische am Fuß verletzt hatte. Sie  versorgten die Patientin, stellten den Wärmeerhalt sicher und übergaben sie anschließend an den Landrettungsdienst des Berchtesgadener Roten Kreuzes, der sie in die Kreisklinik Bad Reichenhall einlieferte.

Am frühen Freitagnachmittag (4. September) stürzten um 14 und um 14.30 Uhr kurz hintereinander zwei Frauen am Steinernen Bankerl oberhalb der Jenner-Königsbachalm: Eine 69-jährige Wanderin aus Berlin hatte sich leicht bis mittelschwer am Kopf und eine 64-Jährige aus Baden-Württemberg schwer und sehr schmerzhaft am Fuß verletzt, weshalb die Bergwacht den Salzburger Notarzthubschrauber „Christophorus 6“ nachforderte, der in der Nähe der Büchsenalm landete; von dort aus fuhren die Ehrenamtlichen den Notarzt zur Patientin und brachten danach die versorgte Frau zum Heli, mit dem sie zur Klinik geflogen wurde. Die Berlinerin mit der Kopfverletzung wurde nach der Erstversorgung ins Tal gefahren und dann von der Krankenwagen-Besatzung des Freilassinger Roten Kreuzes in die Kreisklinik Bad Reichenhall gebracht. Insgesamt waren sechs Bergretter bis in den späten Nachmittag hinein gebunden. Am Donnerstagnachmittag (3. September) hatte sich kurz nach 15.30 Uhr eine 58-jährige Wanderin aus Sachsen am Klingerweg oberhalb der Rodelbahn am Fuß verletzt. Drei Bergretter rückten mit dem ATV zur Einsatzstelle aus, versorgten und schienten die Verletzung und transportierten die Patientin ins Tal, wo sie eine Rettungswagen-Besatzung des Berchtesgadener Roten Kreuzes übernahm und in die Kreisklinik Bad Reichenhall einlieferte.