· Einsätze

27 Einsätze während der letzten Wochen: Bergwacht Berchtesgaden rettet sechs Bergsteiger im Göll-Alpeltal und Grünstein-Klettersteig und unterstützt die Feuerwehr beim Kehlstein-Brandeinsatz

Wärmezelt am Kehlstein
Materialtransport für die Feuerwehr mit der Gebirgstrage über den Fußweg von der Buswendeplatte zur Einsatzstelle.
Gleitschirmunfall am Kleinen Jenner.
Gleitschirmunfall am Kleinen Jenner.
Winterliche Bedingungen beim Nachteinsatz im Göll-Alpeltal.
Brand des Kehlsteinhauses.
Wärmezelt am Kehlstein
Materialtransport für die Feuerwehr mit der Gebirgstrage über den Fußweg von der Buswendeplatte zur Einsatzstelle.
Gleitschirmunfall am Kleinen Jenner.

BERCHTESGADEN/SCHÖNAU AM KÖNIGSSEE – Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der Bergwacht Berchtesgaden waren während der letzten Wochen bei insgesamt 27 zum Teil sehr anspruchsvollen Einsätzen mit insgesamt 31 Geretteten gefordert, davon allein drei besonders zeitintensive Einsätze innerhalb von 24 Stunden am vergangenen Freitag und Samstag, wobei sie drei unterkühlte Bergsteiger vom Hohen Göll und drei Blockierte aus dem Grünstein-Klettersteig retten und die heimischen Feuerwehren bei ihrem Brandeinsatz am Kehlstein sanitätsdienstlich absichern mussten. Bereitschaftsleiter Franz Gummerer lobt die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit allen beteiligten Organisationen und den Heli-Besatzungen. 

Am Samstagabend (24. Oktober) ging gegen 19 Uhr ein Notruf vom Hohen Göll ein, wo drei unterkühlte junge 28 bis 30 Jahre alte Spanier am winterlichen Alpeltalsteig in rund 2.100 Höhenmetern unterhalb des Archenkopfs im Neuschnee nicht mehr weiterkamen. Der Einsatzleiter forderte daraufhin den nachtflugtauglichen Ennstaler Notarzthubschrauber „Christophorus 14“ an und schickte einen Fußtrupp los, um schnellstmöglich den Wärmeerhalt der Bergsteiger sicherzustellen, da nicht klar war, ob der Heli die Einsatzstelle aufgrund von Schneefall, Nebel und Dunkelheit überhaupt erreichen kann. Das Team von „Christophorus 14“ schaffte es dann aber, alle drei Spanier mit der Winde aufzunehmen und nach Schneewinkl auszufliegen, wo sie im bereitstehenden Rettungswagen des Reichenhaller Roten Kreuzes untersucht wurden, sich aufwärmen und dann selbst zu ihrer Unterkunft zurückfahren konnten. Sechs Bergretter waren bis 22.30 Uhr gefordert.

Am Samstagvormittag (24. Oktober) begannen um 10 Uhr fünf Bergretter mit den Aufräumarbeiten nach dem Brandeinsatz am Kehlsteinhaus, wobei sie bis 14 Uhr beschäftigt waren. Währenddessen ging gegen 11.30 Uhr ein Notruf von drei unverletzten Münchnern ein, die im unteren Abschnitt der Variante „Räuberleiter“ des Grünstein-Klettersteigs blockiert nicht mehr ohne Hilfe weiterkamen. Sieben Bergretter machten sich zu Fuß auf den Weg, sicherten das Trio und seilten es ins Gehgelände ab. Der Einsatz dauerte gut drei Stunden.

Am Freitagabend (23. Oktober) wurde die Bergwacht Berchtesgaden gegen 21.30 Uhr zur Unterstützung der heimischen Feuerwehren beim Großbrand am Kehlsteinhaus alarmiert. Vor Ort übernahm die Bergwacht die sanitätsdienstliche Absicherung der Einsatzkräfte. Aufgrund der kalten, windigen Witterung mit Schneefall richteten sie zusätzlich knapp unterhalb des Kehlsteinhauses ein Wärme­zelt für die eingesetzten Kräfte ein. „Das Zelt wurde von „Bergrettung Berchtesgaden e. V.“ für die Bereitschaft beschafft und hat bei den winterlichen Bedingungen wertvolle Dienste geleistet“, freut sich Gummerer, der sich zugleich bei den Förderern und Spendern bedankt. Darüber hinaus unterstützten die Bergretter mit ihren Gebirgstragen die Feuerwehr beim Transport von Material von der Buswendeplatte über den Fußweg hinauf zur Einsatzstelle. „Da der reguläre Rückweg direkt am Gebäude vorbei zeitweise zu gefährlich oder nicht passierbar war, richteten wir im unwegsamen Gelände einen seilgesicherten Rückweg ein, der dazu diente, den Feuerwehrleuten einen sicheren Rückzug zu ermöglichen und zu verhindern, dass sie im Bereich des Gipfelkreuzes abgeschnitten werden“, berichtet Gummerer. Insgesamt waren 13 Bergretter aus Berchtesgaden, elf aus der Ramsau und vier aus Marktschellenberg im Einsatz. Zusätzlich unterstützten drei Kräfte aus Traunstein mit dem Technikbus zur Einsatzlagedarstellung. Gegen 6 Uhr am Samstagmorgen waren alle Bergretter wieder zurück.

Darüber hinaus war die Bergwacht während der letzten Wochen bei insgesamt 24 weiteren Einsätzen gefordert: Am Dienstagnachmittag (20. Oktober) gegen 15.15 Uhr wegen Kreislaufbeschwerden am Jenner-Krautkaser, am frühen Montagnachmittag (19. Oktober) gegen 13.50 Uhr für eine 66-Jährige aus Sachsen, die sich bei einem Sturz auf der Jenner-Aussichtsplatzform am Bein verletzt hatte und die dann nach Versorgung und Abtransport durch die Bergwacht mit einem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes von der Talstation aus in die Kreisklinik Bad Reichenhall eingeliefert wurde. Am 17. Oktober mussten die Bergwacht und „Christoph 14“ gegen 16.40 Uhr einen blockierten 28-jährigen Oberpfälzer vom Mannlgrat retten und gegen 14.20 Uhr einen 17-jährigen Sachsen, der sich am Grünstein ins Absturzgelände verstiegen hatte; der Heli flog den Jugendlichen und zwei 38 und 40 Jahre alte Ersthelfer aus Hessen und Bayern, die vom Wanderweg zu ihm aufgestiegen waren, mit der Winde aus. Am 16. Oktober war gegen 16 Uhr ein 61-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis mit seinem Gleitschirm am Kleinen Jenner in die Felswand abgestürzt; zwei Bundeswehrsoldaten im Schützensteig stiegen zur Einsatzstelle ab und leisteten Erste Hilfe, bis die Bergwacht und der Salzburger Notarzthubschrauber „Christophorus 6“ eintrafen, die den schwer Verletzten versorgten und mit dem Tau ausflogen. Am 13. Oktober kam gegen 15.20 Uhr eine Frau mit einer Beinschwäche oberhalb der Königsbachalm nicht mehr weiter und gegen 14.50 Uhr brauchte ein Wanderer mit Beinschmerzen in der Nähe der Wasserfallalm Hilfe. Am 7. Oktober retteten die Bergwacht und „Christoph 14“ einen internistisch erkrankten 62-jährigen Salzburger mit der Winde, der gegen 16.15 Uhr am Göll-Alpeltalsteig auf Höhe des Pflughörndls nicht mehr weiterkam. Bereits gegen 12 Uhr waren die Bergwacht und „Christoph 1“ an der Fischunkelalm am Obersee im Einsatz, wo ein Mann aus Niedersachsen gestürzt war und sich am Kopf verletzt hatte, der dann ebenfalls mit der Winde gerettet wurde. Am 4. Oktober war gegen 15.20 Uhr ein Mann im Stiergraben gestürzt und mit einer Schulterverletzung nicht mehr weitergekommen, so dass ihn die Bergwacht und „Christoph 14“ mit der Winde retten mussten. Am 3. Oktober kam eine Frau ohne Stirnlampe rund eine Stunde von der Priesbergalm in der einsetzenden Dunkelheit nicht mehr weiter; bereits gegen 8.15 Uhr brauchte ein Wanderer mit einer Sprunggelenksverletzung am Kärlingerhaus Hilfe. 

Am 29. September mussten die Bergwacht und „Christoph 14“ in der Gern südlich oberhalb der Almbachklamm eine internistisch erkrankte 85-Jährige retten. Bereits gegen 15.20 Uhr war eine 75-Jährige aus dem nördlichen Landkreis bei der Abfahrt von der Gotzenalm ins Gotzeltal mit dem Radl gestürzt und mit einer schweren Armverletzung liegengeblieben. Die Bergwacht und der Landrettungsdienst des Berchtesgadener Roten Kreuzes versorgten sie notärztlich und lieferten sie dann in die Kreisklinik Bad Reichenhall ein. Am 28. September hatte eine Klettersteigeherin in der Fritz-Kastner-Wand im Grünstein-Klettersteig einen erkrankten und erschöpften 57-Jährigen aus Baden-Württemberg gefunden und gegen 14.20 Uhr den Notruf gewählt; der Mann und seine Begleiterin wurden von der Bergwacht und „Christoph 14“ per Winde gerettet und nach Schneewinkl geflogen; von dort aus gings mit einem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes weiter zu einem niedergelassenen Arzt in der Schönau. Bereits gegen 9.30 Uhr musste „Christoph 14“ wegen einer Sprunggelenksverletzung vom Abstieg von den Teufelshörnern am Vortag zur Wasseralm in der Röth fliegen. Am 27. September ging kurz nach 16 Uhr ein Notruf von der Salet-Sennerin vom Obersee ein, wo ein Mann den See durchschwimmen wollte und dann mittig auf der Nordseite festsaß. Bergwacht und Wasserwacht rückten gemeinsam aus, die Wasserwacht besetzte das Obersee-Boot, die Bergwacht suchte das Ufer ab, wobei es der Mann selbst zur Fischunkelalm zurückschaffte und gemeinsam mit seiner Familie das letzte Kursboot erreichte. Bereits kurz nach 14.30 Uhr brauchte eine 53-Jährige aus Nordrhein-Westfalen Hilfe, die sich am Jenner im Bereich Steinernes Bankerl das Bein verdreht hatte und die dann nach der Rettung durch die Bergwacht mit einem Rettungswagen des Berchtesgadener Roten Kreuzes in die Kreisklinik Bad Reichenhall kam. Am 26. September musste die Bergwacht gegen 17.20 Uhr zur Priesbergalm und einen 42-jährigen Berliner mit Sonnenstich holen. Bereits um 15.30 Uhr hatte sich eine 63-jährige Einheimische bei einem Sturz am Carl-von-Linde- Weg in der Scharitzkehl am Arm verletzt; die Bergwacht, die Berchtesgadener Notärztin und eine Reichenhaller Rettungswagen-Besatzung versorgten sie und brachten sie in die Kreisklinik Bad Reichenhall. Am 25. September musste die Bergwacht eine blockierte 56-Jährige aus Niedersachsen vom Purtschellerhaus holen. Am 23. September brauchte gegen 16.50 Uhr ein erschöpfter 85-Jähriger aus Mittelfranken an der Priesbergalm Hilfe, kurz nach 14 Uhr eine 65-Jährige aus Sachsen-Anhalt an der Wasserfallalm, die mit Kreislaufproblemen nicht mehr weiterkam und gegen 13.50 Uhr ein 74-Jähriger aus dem Saarland mit Kniebeschwerden an der Brennhütte. Am 22. September musste die Bergwacht am Malerwinkl-Rundweg einen 66-jährigen Polen reanimieren (wir berichteten). Am 20. September brauchte gegen 12.30 Uhr eine 28-Jährige aus Rheinland-Pfalz mit einer schmerzhaften Handgelenksverletzung an der Grünsteinhütte notärztliche Hilfe, die die Bergwacht dann zusammen mit „Christoph 14“ rettete. Am 19. September mussten die Bergwacht und „Christoph 14“ einen 54-jährigen Mann aus dem Landkreis Traunstein retten, der gegen 13.15 Uhr internistisch erkrankt in knapp unter 2.100 Höhenmetern in der Watzmann-Ostwand nicht mehr weiterkam.